Was ist eine Mastzelle?
Mastzellen sind Zellen des hämopoietischen Systems und entstammen dem Knochenmark. Sie übernehmen wichtige Funktionen bei Reaktionen des Immunsystems und bei Entzündungen. Ihr Name bezieht sich auf ihr „gemästetes „ Aussehen, sie enthalten viele Granula, in denen sich wichtige Substanzen befinden, die bei bestimmten Körperprozessen freigesetzt werden: z.B. Histamin bei einer allergischen Reaktion, das für den Juckreiz verantwortlich ist.
Mastzellen können tumorös entarten. Beim Hund passiert das recht häufig, bei anderen Spezies inklusive Mensch ist der Mastzelltumor eher selten anzutreffen.
Mastzelltumor.
Mastzelltumore ist bei Hunden statistisch eine häufige Neoplasie:
25% aller Hauttumoren sind Mastzelltumore. Wenngleich überwiegend ältere Tiere betroffen sind, können wir Mastzelltumore bei Hunden jeder Altersklasse antreffen.
Eine Rassedisposition besteht für den Boxer, aber auch für Dackel, Boston Terrier, Englische Bulldogge und Berner Sennenhunde besteht eine erhöhte Disposition.
Ihren Ursprung nehmen Mastzelltumore meist von der Haut oder dem Unterhautgewebe. Häufig finden sie sich an den Gliedmaßen (meist Hintergliedmaße) am Rumpf, Kopf, After, Skrotum, Vulva. Seltener finden wir sie im Bereich der Mundhöhle, Konjunktividen und Darmschleimhaut.
Ihr Erscheinungsbild ist außerordentlich vielseitig. Sie können einzeln oder auch vermehrt auftreten. Manchmal zeigt sich der Tumor als derb umschriebene Zubildung der Haut, die nur als kleine Knötchen fühlbar ist, manchmal als entzündliche Schwellung, deren Ausmaß in kürzester Zeit zunehmen, aber auch abnehmen kann. Meist ist die Hautoberfläche unversehrt, manchmal aber auch gerötet oder entzündlich verändert. Der Mastzelltumor kann starken Juckreiz auslösen. Manchmal sind die Tumore weich und fühlen sich an wie die gutartigen Lipome, manchmal ziehen sie aber auch flächig oder knotig ins Unterhautgewebe hinein.
Da der Mastzelltumor eine Menge von biologisch aktiven Substanzen freisetzt, kann es zu einer Vielzahl von lokalen und systemischen Veränderungen führen. Lokal können starke Entzündungen mit Blutungsneigung auftreten, systemisch kann es zu Magen- oder Darmblutungen führen. Es wurden sogar schon Perforationen der Magenwand gefunden.
Mastzelltumore zeigen nicht nur viele Gesichter, sie sind auch vom Verhalten unberechenbar.
Meist wachsen sie langsam, können sich aber auch explosionsartig vergrößern und sehr schnell metastasieren
(Ausbildung von Tochtergeschwulsten), sie metastasieren zunächst in die benachbarten Lymphknoten, dann im ganzen Körper.
Diagnose und Tumorbeurteilung:
Mastzelltumore lassen sich schnell diagnostizieren. Mittels einer Feinnadelbiopsie, die völlig schmerzfrei ist, werden mit einer feinen Spritze mit aufgesetzter Kanüle Zellen aus dem veränderten Gewebe aspiriert. Die Zellen werden auf einen Objektträger aufgetragen, mittels einen spezialfärbung fixiert und können dann unter dem Mikroskop bestimmt werden.
Der Mastzelltumor wird histologisch in drei verschiedene Grade eingeteilt, wobei die Überlebenszeit von Hunden mit Tumoren I. Grades bedeutend höher ist, als bei Tumoren II. oder III. Grades.
Eine ungünstige Prognose besteht immer, wenn der Hund schon generalisierte allgemeine Symptome einer Tumorerkrankung zeigt oder die Tumore sich schon stark ausgebreitet haben.
Therapie:
Die Therapie der Wahl ist immer die frühzeitige chirurgische Entfernung der Hautveränderungen.
Die Chirurgie ist umso Erfolg versprechender, je früher die Operation durchgeführt wird.
Adjuvant sollte dann eine Strahlentherapie erfolgen.
Verlaufsuntersuchungen haben ergeben, dass Hunde mit Bestrahlung beim Tumortyp Grad I in 90% der Fälle rezidivfrei blieben für über zwei Jahre, doch auch bei Hunden mit Tumoren Grad II zeigt die Bestrahlung sehr gute Erfolge. Es besteht auch die Möglichkeit der Chemotherapie. Wie das Behandlungsprotokoll ist muss dann mit dem Spezialisten abgesprochen werden.
Da Mastzelltumore sich jederzeit wieder neu bilden können, muss das erkrankte Tier auch nach erfolgreicher Therapie immer regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen vorstellig werden.
Bedenken Sie, dass nur frühzeitiges Handeln und regelmäßige Untersuchungen Ihrem Hund das Leben retten kann, jede Hautveränderung sollten Sie uns in der Praxis zeigen. Auch hier gilt der Grundsatz, dass nur die rechtzeitige, schnelle Diagnose helfen kann.
Siehe auch: Fall des Monats März 2009: Mastzelltumor
Siehe auch: Mein Tier hat Krebs