Kreuzbandriss – Oktober 2002

Katharina ist der Liebling von Frau Janik aus Mittelbuchen. 17 Jahre lang ist sie schon bei ihr, macht täglich ihren Rundgang durch die Wohnung, ist verschmust und anhänglich, ist immer da , wenn Frau Janik nach Hause kommt.
17 Jahre sind eine lange Zeit, die Katharina mit Frau Janik teilt. Sie ist eine stille Beobachterin, hat viele Bilder aus dem gemeinsamen Leben in ihr Herz gebrannt.
In ihrem hohen Alter geht sie nicht mehr oft nach draußen, ihr Reich ist die Wohnung, da kennt sie jeden Winkel und jeden Geruch, da ist sie zu Hause.
Um so größer ist der Schrecken von Frau Janik, als ihr eines Tages Katharina stark hinkend entgegenläuft, sie belastet das linke Hinterbein überhaupt nicht mehr, will sie einen Bogen laufen, sackt sie regelrecht ein.
Katharina hat Schmerzen, ist ruhiger als gewohnt.
Frau Janik packt Ihren Liebling ins Körbchen und stellt ihn in unserer Praxis vor. Die Diagnose ist schnell erstellt: das Knie ist hochgradig schmerzhaft und vorsichtige Manipulation zeigt eine erhöhte Beweglichkeit im Gelenk: es ist die sog. Schubladen auslösbar, das ist eine Verschieblichkeit von Oberschenkel und Unterschenkel zueinander, die nur entstehen kann, wenn die Kreuzbänder reißen.
Frau Dr. Rummel rät zur Operation, der Frau Janik zustimmt. Natürlich hat sie Angst, wird Katharina mit ihren 17 Jahren die Operation überstehen?
Wir führen einen Alterscheck durch, d.h., die wichtigsten Blutwerte und die Herz- Kreislauffunktion werden überprüft: Katharina ist für Ihr Alter in einem exzellenten Zustand.
Die Narkose wird so schonend wie möglich als Inhalationsnarkose durchgeführt, sie erhält einen Venenverweilkatheter, damit sie während der Operation und auch noch an den Tagen danach eine Infusion erhalten kann. Somit bleibt in der Narkose der Blutdruck stabil und das Risiko einer Niereninsuffizienz, die durch eine Minderdurchblutung der Niere entsteht, wird deutlich verringert. Während der gesamten Operation und in der Aufwachphase wird Katharina mit Herz-, Atem- und Pulsmonitor überwacht.
In der Operation sehen wir, daß beide Kreuzbänder gerissen sind, so daß wir uns für einen künstlichen Bandersatz entscheiden.
Katharina überrascht uns, schnell erwacht sie aus der Narkose, bleibt noch einen Tag zur Kontrolle in der Praxis, erhält ihre Infusionen und darf am nächsten Tag schon nach Hause.
Zunächst bleibt das Bein unter Verband, doch eine Woche später steht sie schon wieder auf ihrem Hinterlauf.
Das Knie ist wieder stabil, und inzwischen dreht sie ihre gewohnten Runden durch die Wohnung.
Wir wünschen Katharina noch viele glückliche Jahre gemeinsam mit Frau Janik.

Siehe auch Wissenswertes: Kreuzbandriss