Amputation der Gliedmaße bei der Katze

Es gibt immer wieder Fälle in der Praxis, in der wir gezwungen sind eine Gliedmaße zu amputieren.
Es ist die einzige Möglichkeit für die Katze schmerz- und beschwerdefrei
weiterleben zu können.

Mäxchen
Mäxchen, knapp ein Jahr alt, hat eine Falle den linken Vorderlauf völlig zerschmettert. Er hat trotzdem nach Hause gefunden und ihm wurde der Vorderlauf von Frau Dr. Rogalla amputiert. Er hat sich schnell erholt und sein Frauchen kann ihn schon nach 3 Tagen stationären Aufenthalts in unserer Praxis mit nach Hause nehmen.
Siehe Fall des Monats Februar 2004

Dieser radikale Eingriff ist indiziert, wenn die Katzen nach einem schweren orthopädischen oder neurologischen Trauma eine so starke Schädigung erleiden, dass eine erhaltende chirurgische Operation nicht mehr möglich ist. Auch inoperable Tumore zwingen zu einer solchen Operation.
Bei unseren Katzen sind die Ursachen für eine solch starke Schädigung der Gliedmaße in der Regel Autounfälle oder das tierquälerische verbotene Aufstellen von Schlagfallen, die eine Gliedmaße völlig zerschmettern.
Häufig finden wir bei Katzen nach Autounfällen auch den Abriß des Nervus Radialis, wobei dann die Vordergliedmaße nur noch über den Boden geschliffen werden kann (siehe hierzu Fall des Monats: Dezember 2002).

Der Entschluß ihrem Liebling ein Bein amputieren zu lassen, fällt vielen Tierbesitzern sehr schwer.
Sie befürchten, dass ihr Tier schwer behindert sein wird und somit keine adäquate Lebensqualität mehr hat.
Das ist jedoch ein großer Irrglauben. Gerade unsere Katzen kommen mit ihren drei Beinen anschließend extrem gut zurecht. Schon nach 2 bis 4 Wochen ist die Katze in ihrer Beweglichkeit kaum noch von dem gesunden Tier zu unterscheiden, einem nicht informierten Beobachter fällt es in der Regel gar nicht auf, dass dem Kätzchen ein Bein fehlt.
Unsere operierten Tiere fangen Mäuse, klettern auf Bäumen und sitzen auf ihrem Katzenbaum, sie können sowohl drinnen wie draußen ihr gewohntes Leben weiterführen.

Leider werden auch noch heutzutage Katzen, die mit einer Amputation sehr gut weiterleben könnten, viel zu häufig eingeschläfert.
Das liegt auch daran, das viele Besitzer gar nicht über die Möglichkeit einer Beinamputation beim Kleintier informiert sind.
Eine Untersuchung der Universität Zürich von 1999 (Kleintierpraxis 44. Jahrgang, Heft 3, S. 169 – 176) ergab, dass 95 % der Tierhalter mit der Amputation so zufrieden sind, dass sie vor die gleiche Entscheidung gestellt,
sich immer wieder für eine Amputation entscheiden würden.
Wir müssen immer bedenken, dass unsere Katzen ganz schnell vergessen, dass ihnen eine Gliedmaße fehlt und sie ganz elegant mit Ihrer “Behinderung“ zurechtkommen.
Es ist unser Kopf, der sich an den Anblick eines dreibeinigen Tieres gewöhnen muß, ihr Kätzchen bleibt mit Sicherheit schmusig, liebevoll und anhänglich wie zuvor.

Was sieht die Behandlung bei der Amputation aus?

Nach gründlicher Untersuchung wird das Tier kreislaufstabilisiert und präoperativ gleich schmerzfrei gestellt. Dann wird das Kätzchen sediert, ein Tubus in die Luftröhre geschoben, und die Narkosemaschine wird angeschlossen.
Schläft Ihr kleiner Liebling tief, werden die Blutgefäße abgebunden, der Hautnerv wird örtlich betäubt und dann wird die verletzte Gliedmaße abgesetzt. Für das Tier ist der Eingriff absolut schmerzfrei.
Danach wird die Wunde wieder geschlossen und unter Verband gelegt.

Das Kätzchen bleibt einige Tage zur stationären Überwachung bei uns.
Wir versorgen es weiterhin mit Infusionen, Antibiotika und Schmerzmittel. In unserer Praxis setzen wir Temgesic – ein Morphinderivat – ein. Wir entscheiden uns in der Anfangsphase für dieses hochwirksame Schmerzmittel, das auch in der Humanmedizin eingesetzt wird, um dem Tier absolute Schmerzfreiheit zu geben. Es ist wissenschaftlich erwiesen, daß sich die Patienten dann bedeutend schneller erholen.
Sobald unser kleiner Patient wieder munter ist, erhält er Lauftraining.
Wir üben täglich mehrmals mit ihm.

Lea
Das ist Lea der Familie Stark, auch sie führt mit drei Beinen weiterhin ein glückliches Katzenleben.
Siehe Fall des Monats Dezember 2002

 

Sobald er auf seinen drei Beinen alleine laufen kann und keine Gleichgewichtsprobleme mehr hat und natürlich auch ansonsten wieder munter ist , kann er nach Hause.
Der stationäre Aufenthalt beläuft sich in der Regel auf drei bis sechs Tage, je nachdem wie schwer die Verletzung war.
Sie müssen Ihren kleinen Liebling in den nächsten zwei Wochen nur noch zum Verbandwechsel und zum Fädenziehen vorstellen.
Dann ist das Trauma fast vergessen, und sind die Haare erst einmal nachgewachsen, fällt es auch Ihnen kaum mehr auf, dass ein Beinchen fehlt!