Kastration des männlichen und weiblichen Kaninchens

Kastration des männliche Kaninchens

Kommt ein männliches Kaninchen ins Haus, so stellt sich schnell die Frage der Kastration. Sie ist sinnvoll und tierschutzgerecht, wenn mehrer Böcke zusammengehalten werden und wenn Nachwuchs verhindert werden soll.
Es ist ratsam beim Kauf eines kleiner Kaninchen, sie rechtzeitig in der Praxis zur Geschlechtsbestimmung vorzustellen.
Die Geschlechtsbestimmung bei den ganz kleinen Babies ist oft schwer, sodass manchmal ungewollt das falsche Geschlecht erworben wird: bei einem Päarchen kann es schnell zu Nachwuchs führen
(Kaninchen sind schon im dritten! Monat zeugungsfähig) und bei zwei Rammlern zu heftigen Rangordnungskämpfen, die nicht immer friedlich ausgehen.
Unkastrierte Böcke neigen zu heftigen Auseinandersetzungen, beißen sich oft gegenseitig in die Hoden und fügen sich schwere Verletzungen zu. Das Aggressionsverhalten wird durch das männliche Geschlechtshormon Testosteron deutlich beeinflusst. Tiere, die Aggression gegenüber Ihren Besitzern zeigen, sollten kastriert werden.
Auch verbessert sich deutlich das durch Testosteron gesteuerte Markierverhalten in der Wohnung.
Es ist allerdings anzuraten, eine Kastration so früh wie möglich durchführen zu lassen, da jahrelange Angewohnheiten sich häufig durch eine Kastration auch nicht mehr ausmerzen lassen.
Die Hoden der Rammler liegen beidseits in einer Hauttasche unter der Haut, einen Hodensack wie bei Hund und Kater gibt es nicht.
Kaninchenböcke können ihre Hoden in die Bauchhöhle einziehen.
Bei der Kastration erhält ihr Liebling eine leichte Sedation. Das Schmerzmittel wird auch schon vor dem Eingriff verabreicht. Ist der kleine Kerl müde, bekommt er eine kleine Inhalationsnarkose. Nun schläft er tief. In beide Hoden wird ein Lokalanästhetikum injeziert, sodass absolut kein Schmerz entstehen kann, und die Hoden werden mit einem kleinen Hautschnitt vorgelagert und unter Abbindung abgetrennt. Der kleine Kerl bleibt noch solange auf der Wärmedecke liegen und erhält Sauerstoff bis er wach wird. Dann kommt er auf die Station unter Rotlicht. In der Regel fressen die kleinen Kerle schon gleich wieder nach dem Aufwachen, tun sie es nicht sofort von alleine, werden sie von uns angefüttert.

Kastration des weiblichen Kaninchens


Weibliche Kaninchen haben keinen Geschlechtszyklus, sie können daher nahezu jederzeit erfolgreich gedeckt werden. Die Eierstöcke weisen viele unterschiedliche große Follikel auf, und einige von ihnen sind immer bereit zum Eisprung.
Die Gebärmutter besteht aus einer doppelten Anlage (Uterus duplex). In die Scheide münden ein rechter und ein linker Muttermund, welche in den rechten, bzw. linken Uterus führen. Das ermöglicht zwei Würfe in zeitlichen Abständen, d.h., während der Trächtigkeit können am anderen Eierstock Follikel reifen, die noch während der Trächtigkeit befruchtet werden können. Bei unseren Hauskaninchen kommt das aber äußerst selten vor.
Da das Geschlechtverhalten bei den unkastrierten weiblichen Tieren in der Regel nicht so ausgeprägt ist, und sie nicht so stark riechendes Geschlechtssekret produzieren, werden sie nicht so häufig zur Kastration in der Praxis vorgestellt. Doch ist die Kastration durchaus bei den weiblichen Tieren anzuraten, da es unter dem Einfluss der weiblichen Hormone (Östrogen und Progesteron) zu lebensgefährlichen Erkrankungen kommen kann wie: Gebärmutterentzündung, Eierstockzysten und Gebärmutterkrebs.
Der Eisprung erfolgt in der Regel durch den Deckakt, jedoch kann er auch durch andere Reize verursacht werden: z.B. gegenseitiges Berammeln von Häsinnen, verlängertes Tageslicht im Frühjahr, Temperaturveränderungen.
Kommt es nicht zur Befruchtung wird das Kaninchen scheinträchtig mit Zeichen von Nestbau, Anbildung des Gesäuges bis hin zur Milchproduktion.
In solchen Phasen sind die Tiere wesensverändert, sehr häufig aggressiv gegenüber Ihren Stallgenossen, oft fressen sie auch schlecht und magern ab.

sehr große Eierstockzyste

Wiederholte und anhaltende Scheinträchtigkeiten stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar, denn nicht nur äußerlich (Anbildung der Milchleiste) treten Veränderungen unter dem erhöhten Hormonspiegel auf, auch innerlich verändert sich die Gebärmutter – sie bereitet sich auf die Geburt vor – was nicht selten in Eierstockzysten, Hämometra, Pyometra oder Tumore endet.

 

Dehnt sich die Gebärmutter aufgrund der vermehrten Füllung aus, kann es den Darm verdrängen. Plötzliche Darmkrämpfe (Kolik) sind die Folge. Oder der Darm wird so zusammengedrückt, dass die Tiere für ihren Bedarf nicht ausreichend Futter aufnehmen können. So ist der Bauch dick, aber die Tiere fühlen sich aufgrund der Abmagerung knochig an.
Es ist immer ratsam, Kaninchen einmal die Woche zu wiegen, so bemerken Sie frühzeitig Gewichtsimbalanzen!
Der Urin von Kaninchen ist trüb, kann sogar durch bestimmte Farbstoffe im Futter (Porphyrine) rötlich gefärbt sein. Das ist normal.
Befindet sich jedoch Blut im Urin, so ist das ein Krankheitsanzeichen. Bei einer Blasenentzündung zeigen die Kleinen auch immer Harnabsatzbeschwerden, sie heben das Hinterteil an und oft stöhnen sie, und das Hinterteil ist in der Regel harnverschmiert. Befinden sich jedoch gelegentlich Blutstropfen im Urin, so darf das nicht mit einer Blasenentzündung verwechselt werden. Das Blut aus der Gebärmutter sammelt sich in der Scheide und wird dann mit dem Harnabsatz ausgeschieden.
In solchen Fällen muß unbedingt kastriert werden!
Jede Art von Scheidenausfluß ist pathologisch. Kaninchen haben nur während der Geburt Vaginalausfluß!

Die Narkosevorbereitung ist bei den weiblichen Kaninchen wie bei den Männchen. Auch hier erfolgt wegen der besseren Verträglichkeit und Sicherheit der Eingriff unter Inhalationsnarkose. Für die kleinen Tiere gibt es ein extra kleines Narkoseset für die Inhalation.
Das Abdomen wird in der Meridianen eröffnet. Da die meisten Kaninchen sehr viel intraabdominales Fett besitzen, ist das Auffinden der Eierstöcke oft nicht einfach. Bei der einfachen Kastration werden nur die Eierstöcke inklusive der extrem langen Eileiter entfernt. Finden wir Veränderungen, so muss die gesamte Gebärmutter mit entfernt werden. Die Ligatur erfolgt direkt hinter dem doppelten Muttermund, die Scheide ist ungewöhnlich lang und darf nicht verletzt werden, sie muss in Ihrer gesamten Länge erhalten bleiben.

Damit die Wunde unversehrt bleibt, wurde ein Bauchverband angelegt.

 

Risikopatienten erhalten wie Hund und Katze eine Infusion direkt in die Vene, beim Kaninchen ist das gut über die Ohrvene möglich.

Und dann wird auf der Station noch einmal geschlafen, bis es nach Hause geht! Der Salat schmeckt auch schon wieder.

 

Siehe auch: Fall des Monats 2008-10