Mein Meerschweinchen ist krank

Unsere Meerschweinchen sind Fluchttiere, die Krankheitszeichen so lange wie möglich verbergen, weil sie in freier Wildbahn ansonsten sofort Opfer in der Freßreihe würden.
Daher werden uns in der Praxis oftmals diese kleinen Patienten erst vorgestellt, wenn sie nicht mehr fressen wollen oder sich zurückziehen.
Medizinisch formuliert sind das die Leitsymptome Inappetenz und Apathie.
Doch dann befinden sich die Tiere in der Regel schon in einem fortgeschrittenem Krankheitsstadium, da die ersten leichten Symptome nicht aufgefallen sind, bzw. unsere kleinen Patienten sich aufgrund ihres angeborenen Verhaltens als Fluchttiere bemüht haben, ihre Krankheit zu verbergen.
Auch wenn es nicht so erscheint, das Allgemeinbefindens der Kleinen ist häufig schon hochgradig gestört, und wir haben es in der Regel mit einem Notfallpatienten zu tun, die Krankheit ist schon weiter fortgeschritten und wichtige Sofortmaßnahmen müssen eingeleitet werden. In so weit fortgeschrittenen Fällen ist es nicht immer sicher, daß die Kleinen gerettet werden können.
Denn leider ist es für Sie als Besitzer oft sehr schwierig die ersten Krankheitssymptome zu erkennen: frißt der Hund oder die Katze den Napf nicht leer, so ist das sofort auffällig, frißt ein Meerschweinchen, Degus, Chinchilla weniger, so ist es bei der angebotenen Heu- und Körnermenge nicht sofort ersichtlich, insbesondere wenn sich mehrere Tiere im Gehege befinden. Aufgrund von gesträubtem Fell wird oft mehr Körperfülle vorgetäuscht, so daß Ihnen gar nicht auffällt, daß Ihr Meerschweinchen abmagert. Erst die Palpation der Wirbelsäule und der Rippen machen eine Aussage über das wahre Ausmaß der Abmagerung.
Von daher empfehlen wir, die Kleinen wöchentlich zu wiegen, um Veränderungen sehr frühzeitig zu erkennen!
Auf keinen Fall dürfen Sie warten, wenn Ihr Tier nicht richtig frißt! Jeder Tag, an dem eine Behandlung früher beginnt, kann lebensrettend sein
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Wir möchten Ihnen hier einen kleine Überblick geben, welche schwerwiegenden Krankheiten sich hinter dem anscheinend so leichtem Symptom wie Appetitmangel und Apathie verbergen können.
Prinzipiell kann jede Erkrankung, die mit Schmerzen verbunden ist, sowie alle Infektionskrankheiten zu diesen Symptomen führen.

  • Sehr häufig haben wir es mit Zahnerkrankungen zu tun. Oftmals gehen der vollständigen Futterverweigerung einige Tage voraus, an denen ihr kleiner Liebling Futter auswählt – i.d.R. die weicheren Futterbestandteile. Schon hier sollten Sie alarmiert sein und sofort in der Praxis vorstellig werden, um größeres Unheil zu verhindern.
  • Auch bei dem schwerwiegenden Fettlebersyndrom oder einer Nierenerkrankung zeigt sich die Krankheit erst mit Inappetenz- viel später treten dann die typischen Krämpfe und Koma auf.
  • Ähnlich untypisch ist der Verlauf bei Herzerkrankung oder Schilddrüsenfunktionsstörungen.
  • Selbst bei der Viruspneumonie frißt ihr Meerschweinchen zunächst schlechter und erst nach Tagen treten der charakteristische Nasen- und Augenausfluß auf.
  • Bei der Rachenentzündung haben die Kleinen Schmerzen beim Schlucken und wollen deswegen nicht fressen.
  • Verstopfung (Obstipation) oder Futteraufgasung (Tympanie) im Magen oder Darm ist äußerst schmerzhaft und kann sogar zu einem tödlichem Schock führen.

Oftmals haben die Kleinen nur dezente Verdauungsstörungen
(weicher Kot), sind dabei aber munter wie immer. Auch hier sollten Sie nicht denken, daß sich die Störung schon von selbst behebt, denn häufig entwickeln sich aus solch leichten chronischen Verdauungsstörungen Enterotoxikämien (Vergiftungen aufgrund von giftigen Stoffwechselprodukten). Diese haben sich durch die Darmentzündung entwickelt und sind in der Regel tödlich.
Grundsätzlich kann sich eine solche Septikämie (Vergiftung übers Blut) aus allen bakteriellen Infektionen entwickeln, am häufigsten jedoch aus Darmerkrankungen , so daß Sie wirklich auch die kleinsten Veränderungen an Ihren kleinen Gefährten ernst nehmen müssen.

  • Weibliche Meerschweinchen können auch eine Gebärmutterentzündung oder Tumore am weiblichen Geschlechtsapperat entwickeln. Nicht immer ist Vaginalausfluß sichtbar, auch hier macht sich Ihr Kleines aufgrund von Schmerzen zunächst mit Futterverweigerung bemerkbar.

Anhand der hier aufgezählten Krankheiten können Sie sehr schnell erkennen, welch bedrohliche Zustände hinter den so harmlos anmutenden Symptomen wie Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit stehen können.
Immer ist schnelles Handeln von medizinischer Seite gefragt. Wir leiten sofort alle lebenswichtigen Maßnahmen ein. Für die schnelle Diagnose setzen wir Laboruntersuchungen, Röntgen und Ultraschall ein.
Manchmal muß Ihr Tier auch stationär aufgenommen werden, die Kleinen erhalten genau wie die großen Patienten Infusionen, Sauerstoff und Zwangsernährung. Der sofortige Beginn der Zwangsernährung ist aufgrund des besonderen Verdauungssystems eines der wesentlichsten Maßnahmen bei unseren Meerschweinchen, um weitere Entgleisungen des Stoffwechsels zu verhindern.
Meerschweinchen sterben tatsächlich sehr schnell, „nur“ weil sie längere Zeit schlecht fressen .
Von daher möchten wir noch einmal ganz besonders auf die Dringlichkeit der Vorstellung in unserer Praxis hinweisen, sobald Sie bemerken, daß Ihr kleiner Liebling sich anders verhält als sonst
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Danach stellen Sie Ihr Tier unbedingt bei uns in der Praxis vor!

Wichtig: bei allen Verhaltensänderungen und Abweichungen nehmen Sie bitte sofort Kontakt mit uns auf! Es ist durchaus möglich, dass Ihr Tier neu eingestellt werden muss.